Was ist eine Endokarditis?

Die Endokarditis ist eine entzündliche Erkrankung der Innenschicht (Endokard) des Herzens. Sie wird durch Bakterien oder Pilze verursacht. Häufig findet sich eine Endokarditis an Herzklappen, insbesondere an Stellen der Klappen, an denen sich Vorschädigungen (Verdickungen, kleine Einrisse, Verkalkungen) befinden. Die Endokarditis ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch Einsatz moderner Antibiotika, sowie gegebenenfalls Herzklappenoperationen, erfolgreich behandelt werden kann.

Wie häufig ist eine Endokarditis?

Zahlen zur Häufigkeit sind schwer zu bestimmen, außerdem hängt die Häufigkeit von der Risikokonstellation des Einzelnen ab. Jährlich erkranken zirka 10 bis 50 Patienten pro 1 Million Einwohner. Diese Zahl kann sich je nach Risikokonstellation deutlich erhöhen. Jemand, der bereits einmal an einer Endokarditis erkrankt ist, hat ein zirka 10-fach erhöhtes Risiko, erneut daran zu erkranken.

Wie entsteht eine Endokarditis?

Bereits beim Zähneputzen können Bakterien über das Zahnfleisch ins Blut geraten. Normalerweise werden sie wieder aus dem Körper entfernt. Können sich die Bakterien jedoch festsetzen, entsteht eine Endokarditis durch weitere Besiedelung des Herzklappengewebes. Beispielsweise kann sich eine Endokarditis bereits nach Ziehen eines Zahnes ohne begleitende Antibiotikagabe entwickeln. Die Keime setzen sich insbesondere bei vorbestehenden Klappenveränderungen fest. Die nachfolgende Entzündung verläuft entweder akut innerhalb weniger Tage oder subakut bis chronisch über mehrere Wochen.

Welche Symptome beziehungsweise Beschwerden treten bei Endokarditis auf?

Das erste Symptom einer sich möglicherweise entwickelnden Endokarditis ist das Fieber. Außerdem kann Schüttelfrost auftreten. Weiterhin kommt es zu allgemeinen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Schwäche und Erschöpfung, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust oder Muskel- und Gelenkschmerzen. Bei fortgeschrittener Besiedelung der Herklappen kann es zur Zerstörung der Klappen mit Funktionsverlust und daraus resultierend Herzschwäche, Atemnot und Ödemen kommen. Ferner können Embolien auftreten, dabei kann es sich sowohl um Blutgerinnsel als auch um Teile der Vegetationen handeln. In der Haut können schmerzhafte Knötchen auftreten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Tritt eines der genannten Symptome auf, so sollten Sie im Zweifelsfall den Hausarzt konsultieren. Dies gilt insbesondere bei Verdacht auf eine Endokarditis und bei Vorliegen einer Prädisposition (zum Beispiel bekannter Herzklappenfehler). Über Tage anhaltendes unklares Fieber sollte immer durch den Hausarzt und gegebenenfalls durch einen weiteren Spezialisten abgeklärt werden. Für einen möglichen weiteren Krankheitsverlauf ist extrem wichtig, bereits frühzeitig an die Möglichkeit einer Endokarditis zu denken. Eine Endokarditis kann in den meisten Fällen mittels echokardiographischer Untersuchung schnell und sicher ausgeschlossen werden. Immer noch kommen viele Patienten zu spät zu einer entsprechenden medizinischen Behandlung, bei fortgeschrittenen Befunden ist das weitere Risiko dann deutlich erhöht.

Wie hoch ist das Risiko, an einer Endokarditis zu erkranken?

Bestehen keine besonderen Risiken, ist das Risiko einer Endokarditis gering. Bei Vorliegen von Herzklappenfehlern muss jedoch von einem deutlich erhöhten Risiko ausgegangen werden. Insbesondere Patienten mit vorausgegangener Endokarditis, vorausgegangener Herzklappenoperation, Klappenundichtigkeiten, degenerativen oder rheumatischen Klappenveränderungen oder mit einigen angeborenen Herzklappenfehlern haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Endokarditis zu erkranken. Ein mittleres Risiko haben Patienten mit Defekten der Herzscheidewände oder Verengungen der Herzklappen. Patienten, bei denen ein Herzschrittmacher implantiert ist, haben zunächst kein erhöhtes Risiko an einer Endokarditis zu erkranken.

Welche gesundheitlichen Folgen hat eine Endokarditis?

Die Endokarditis ist eine schwerwiegende Erkrankung, welche ohne entsprechende Therapie zur schweren allgemeinen Infektion des Körpers bis zum Tode führen kann. Je nach Schwere der Erkrankung kann diese bei antibiotischer Behandlung vollkommen abheilen oder es können, zum Beispiel bei Auftreten von septischen Embolien, Folgeschäden bestehen bleiben. Sowohl beim Auftreten höhergradiger Herzklappenfehler nach Abschluss einer antibiotischen Behandlung als auch bei fortbestehender Infektion kann ein Herzklappenersatz notwendig werden. Bei septischen Embolien ist häufig die Milz betroffen, welche dann gegebenenfalls entfernt werden müsste.

Was kann ich vorbeugend tun?

Zunächst sollten Sie bei entsprechenden Symptomen (insbesondere unklares Fieber) ihren Hausarzt aufsuchen. Bei Vorliegen von Risikofaktoren sollte eine entsprechende Endokarditisprophylaxe beachtet werden. Jeder sollte auf ausreichende Zahnhygiene mit regelmäßigen zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen achten.

Bei welchen Erkrankungen oder Behandlungen sollte eine Endokarditisprophylaxe erfolgen?

Eine Endokarditisprophylaxe sollte bei allen Eingriffen, bei denen es zum Einschwemmen von Bakterien in die Blutbahn (Bakteriämie) kommen kann, durchgeführt werden. Dazu zählen Eingriffe im Mund und Rachen einschließlich zahnärztlicher Eingriffe mit Zahnfleischbluten oder Eingriffe an den oberen Luftwegen, zum Beispiel endoskopische Untersuchung des Tracheobronchialsystems oder Entfernung der Gaumenmandeln. Weiterhin sollte eine entsprechende Prophylaxe bei Eingriffen am Harn- und Genitaltrakt sowie am Magen-Darmtrakt erfolgen. Bei bakteriellen Infektionen, zum Beispiel eine Bronchitis, sollten Risikopatienten eine Endokarditisprophylaxe erhalten.

Wie wird eine Endokarditisprophylaxe durchgeführt?

Die Ärzte, welche die im Vorigen genannten Eingriffe durchführen, wissen, welches Antibiotikum jeweils zur Endokarditisprophylaxe geeignet ist. Normalerweise wird Amoxycillin 2 g oral zirka eine Stunde vor dem Eingriff verabreicht, bei hohem Risiko nach sechs Stunden noch einmal. Bei Penicillinallergie wird bei Eingriffen im Mund und Rachen Clindamycin 600 mg oral verabreicht oder ansonsten Vancomycin intravenös gegeben.

Was müssen Marfan-Patienten beachten?

Für Patienten mit Marfan Syndrom gelten grundsätzlich die genannten Verhaltensregeln. Für Patienten, die bereits am Herzen oder an der Aorta operiert wurden, besteht grundsätzlich ein erhöhtes Endokarditisrisiko entsprechend anderen Patienten nach Herzklappenersatz. Somit sollte auch bei kleineren Eingriffen auf eine strenge Einhaltung der Endokarditisprophylaxe geachtet werden. Durch Beachtung der Endokarditisprophylaxe kann das Erkrankungsrisiko minimiert werden. Im Falle einer Endokarditis kann durch frühzeitige Diagnostik ein optimales Therapieergebnis erreicht werden.

PD Dr. Thomas Walther
Prof. Dr. Friedrich W. Mohr
Universität Leipzig, Herzzentrum
Klinik für Herzchirurgie
Strümpellstr. 39
04289 Leipzig