Die Landesgruppe NRW bot am 21.Mai 2011 seinen Mitgliedern an, das von der Kölner Sporthochschule entwickelte und seit den 70er Jahren bundesweit bewährte Herzsporttraining kennen zu lernen. Unter Berücksichtigung der marfanverträglichen Kriterien, stellte die Herzsportgruppe der BSG Rheinenergie ein vielfältiges Trainingsprogramm zusammen. Herzsport-NRWDabei wählte die Sportwissenschaftlerin (MA), Judith Meier-Wagner, die Übungen so, dass sie auf die äußerst heterogene Gruppe und deren individuell unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomatiken und Leistungsstufen eingehen konnte. Ein buntes Programm, das vom 12-jährigen Energiebündel bis hin zum ruhigeren Pensionär eine angemessene Teilnahme ermöglichte.

 

Durch Olga Penner wurde das Work Out ärztlich betreut und das Training mit einer Blutdruckmessung und Pulskontrolle jedes Einzelnen eingeläutet. Diese Werte sind wichtig, um den Verlauf der eigenen Belastbarkeit während des Sports besser beurteilen zu können.

Zur Musik begann das 1 1/2 – stündige Training mit verschiedenen Formen der Erwärmung. Zwischen moderaten Aerobic-Übungen, die den Kreislauf ankurbeln, waren fließende Dehnübungen eingebaut, die zur Kräftigung des Thorax, des Rückens und der Oberschenkel dienten. Danach folgten Geh- und Laufübungen, die unter Berücksichtigung des richtigen Atmens mit leichtem Jogging, Skippings, bewusstem Fußabrollen und dem gleichzeitigen Einsatz der Arme durch Kreisen, U-Halte oder auch Kurbeln, die so genannte Venenpumpe aktivierten. Dies brachte neben dem Konditionstraining auch einen koordinativen Aspekt mit sich.

Nach dieser Anstrengung, war es an der Zeit, zu pulsen, d.h. den aktuellen Puls zu bestimmen, um eine gute Einschätzung seiner eigenen Trainingsfrequenz zu erzielen und dadurch an Sicherheit zu gewinnen, wo die individuelle Belastungsgrenze liegt.

Es wurde darauf hingewiesen, dass man für die Messung nicht abrupt aus einer Bewegung in den Stillstand verfallen solle, da dies ein radikales Absinken des Pulses und damit die Gefahr eines Kollaps herbeiführen könne.
Zur Ermittlung eines gesunden Maximalrichtwertes, der sich auf punktuelle Belastungsspitzen wie beispielsweise während des Sprints oder beim Erreichen des Balls bezieht, erklärte Judith Meier-Wagner, nimmt man den Wert 210 und zieht davon das eigene Lebensalter ab. Um nun den optimalen Trainingspuls zu erzielen, sollten bei einem unbelasteten Sportler 80% an Einsatz, bei einem Marfan Patienten jedoch nur 60% - 70% erbracht werden. Generell ist die Rücksprache mit dem betreuenden Arzt oder einem spezialisierten Sportmediziner oder Kardiologen angeraten, um ein individuelles Training zu besprechen und dadurch die Gefäße optimal zu schützen.

Ein Rechenbeispiel bei einem Menschen mit Marfan Syndrom im Alter von 30 Jahren:
210 – 30 = 180   

180 x 60 = 10800        I:100

Puls Max = 108

Dieser Marfan Patient dürfte somit seinen Trainingspuls bis zu einer Frequenz knapp unter 110 Herzschläge pro Minute beanspruchen.

Dementsprechend dürfte ein Marfan Patient von 60 Jahren bis maximal 90BpM trainieren.
210 - 60 = 150

150 x 60 = 9000       I :100

Puls Max = 90

Nun folgte ein Kreisspiel, bei dem neben dem sozialen Charakter das Aktions- Reaktionsvermögen, die Koordination, die geistige Mobilität und die Beintätigkeit gefördert wurden. Die Gruppe hatte viel Spaß, sich per namentlicher Vorankündigung bunte Sandsäckchen zuzuwerfen, und war bei anschließender Messung erstaunt, wie bei solch einer spielerischen Aktion der Puls nach oben schnellen kann.

Auch die Gymnastik kam nicht zu kurz. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Leistungsstufen innerhalb der Gruppe, wurde gemeinsam ein Parkour mit differenzierten Stationen zusammengestellt, den jeder Teilnehmer ganz nach seinen eigenen Möglichkeiten wahrnehmen und ausprobieren konnte. Angefangen bei Übungen mit dem Pezziball und Thera-Band vor der Sprossenwand zur Kräftigung des Thorax und Latissimus (breiter Rückenmuskel) reichte das Angebot über leichtes Hanteltraining für die Arme, Bodenübungen für Wirbelsäule, Bauch und Po, sanftes Muskeltraining mit dem Overball, der besonders für Marcumar Patienten geeignet ist, bis hin zu spielerischem Softball, Indiaka und Tischtennis.

Doch wer Sport macht, bekommt auch einen gesunden Appetit. Und so fanden sich alle Sportsfreunde im Gemeinschaftsraum der BSG Rheinenergie zusammen, um bei einer kleinen Stärkung die gesammelten Eindrücke miteinander auszutauschen und im Anschluss individuelle Fragen an Ärztin und Trainingsleiterin zu stellen.

Eines wurde an diesem Tag ganz deutlich: Auch als Herzpatient mit dem Marfan-Syndrom kann und sollte man eine Vielzahl an sportlichen Übungen durchführen und sich auf diese Weise geistig, körperlich und auch psychisch in guter Form halten. Denn neben dem physischen Training sind der Spaß und das Miteinander ein wesentlicher Faktor zur Steigerung der eigenen Lebensqualität. Und es ist nicht zu unterschätzen, dass bei einem guten Allgemeinzustand die Genesung nach einer OP durchaus begünstigt wird und man schneller wieder fit ist.

Da der Herzsport Schnupperkurs eine äußerst positive Resonanz unter den Teilnehmern fand, möchte der BSG Rheinenergie die besondere Betreuung von Menschen mit dem Marfan-Syndrom fördern. Die BSG-Gruppenleiterin, Frau Betty Kleinfeld, machte das Angebot, eine neue Trainingsgruppe einzurichten, die unter den marfan-spezifischen Gesichtspunkten aufgebaut sein würde.
Dieses Angebot kann, wie jeglicher Herzsport, durch das Formular 56 bei den Krankenkassen eingereicht und bezuschusst werden. Einzige Voraussetzung wäre die Teilnahme von mindestens 15 Marfan-Patienten, um ein regelmäßiges Training 2 Mal wöchentlich gewährleisten zu können.
Damit hätte die Marfan Hilfe ein neuartiges Model ins Leben gerufen, das zunächst in Köln erprobt werden kann.

Wir möchten alle Interessierten aufrufen, sich bis spätestens 30.07.2011 bei der Landesgruppe NRW zu melden.

Ihre Ansprechpartnerin für Anmeldungen oder allgemeine Informationen zu dem Projekt Marfan Herzsport Köln ist Frau Sarah Mitter (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Wir freuen uns auf Ihre Resonanz und hoffen sehr, dass sich genügend Interessierte zusammenfinden, um gemeinsam mit uns neue Wege zu gehen.